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Ratgeber - wie schleife ich selbst meinen alten Dielenfußboden ab und versiegele ihn

Abgeschliffener und versiegelter HolzfußbodenWarum ist ein Renovierung eines alten Holzfußbodens sinnvoll?

Ein Holzfußboden aus Dielen ist etwas sehr schönes. Gerade in vielen Altbauten sind noch viele alte Holzfußböden vorhanden. Manche davon davon schon 100 Jahre alt und älter. In vielen Häusern sind sie aber auch schon längst entfernt worden und durch Steinfußböden mit Fliesen oder Laminat ersetzt worden. Sicherlich haben diese Materialien ihre Vorteile, jedoch wenn man den Charakter des alten Fußbodens erhalten möchte und gleichzeitig noch Geld für die Handwerker sparen, so kann man den alten Fußboden wieder in einem neuen Glanz erstrahlen lassen. Dazu bedarf es im Normalfall nicht allzu viel handwerklichen Geschicks, sondern nur ein wenig Geduld und Sorgfalt.

Was braucht man für Werkzeuge und Materialien zur Renovierung des alten Dielenfußbodens?

Bandschleifer und Schleifbänder:

Bei einem kleineren Fußboden reicht ein normaler Bandschleifer aus. Auf diese Geräte wird eine Endlosschleife aus Schleifpapier gelegt und somit kann fortlaufend geschliffen werden. Die Geräte verfügen über ein entsprechendes Eigengewicht und somit muss kein zusätzlicher Druck ausgeübt werden. Unten befindet sich eine gerade Platte, damit ist gewährleistet, dass der Schliff auch schön gerade wird. Hinten besitzen diese Geräte einen Anschluss zur Staubabsaugung bzw. einen Staubfangsack. Man erhält schon brauchbare Geräte zu relativ geringen Preisen.

 

Für große Flächen sollten Sie sich einen Walzenschleifer und Kantenschleifer beim örtlichen Baumarkt ausleihen. Damit geht die Arbeit erheblich zügiger. Ist aber auch gefährlicher, da der ungeübte Anfänger damit auch größeren Schaden an den Dielen anrichten kann. Immer schön in Bewegung bleiben!

Deltaschleifer und Schleifpapier:

Deltaschleifgeräte haben den Vorteil universell einsetzbar zu sein und sind insbesondere für Kanten vorteilhaft. Es gibt hier eine ganze Palette von Geräten. Eigentlich sollte jeder Heimwerker so ein Gerät zu Hause haben. Brauchen Sie den Deltaschleifer öfters, dann wählen Sie ruhig ein gutes Modell, damit Sie auch lange Freude daran haben. Die Schleifdreiecke haben auf der Rückseite Klettverschlüsse und sind in der Regel geräteübergreifend verwendbar. Durch den Klettverschluss sind die Schleifdreiecke schnell wechselbar. Bei guten Geräten sind die Schwingungen stufenlos regelbar und sie besitzen einen Anschluss zur Staubabsaugung. Die Schleifköpfe sind in der Regel wechselbar, da sie mit der Zeit verschleißen.

 

 

Staubsauger:

Beim Abschleifen der Holzdielen entsteht in der Regel sehr viel Schleifstaub. Hier ist es ganz wichtig, dass man diesen so schnell wie möglich absaugt, da er sich überall (Kleidung, Ritzen, Wände, Fenster, Heizkörper etc.) festsetzt. Dafür eignen sich sehr gut die Industriesauger. Natürlich kann man auch den Hausstaubsauger nehmen, falls er es überlebt.

Für den Industriestaubsauger sollten Sie auf jeden Fall Staubsaugerbeutel verwenden, da anderenfalls der feine Staub  die Filter zusetzt und zudem lässt sich der Beutel wesentlich einfacher entsorgen.

 

Schleifpapier und Stahlwolle:

Nicht überall kommt man mit der Maschine hin. Außerdem ist die Arbeit per Hand unübertroffen bezüglich der Sensibilität. Benutzen Sie Sandpapier zum normalen Schleifen und Stahlwolle ganz zum Schluss zum Polieren der fertigen Dielen.

 

Abdeckfolie und Malerband:

Nicht immer ist es möglich, den Raum vollständig frei zu räumen. Aber auch benachbarte Räume können durch den Staub in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Staub ist so fein, dass er selbst durch kleinste Ritzen und Schlüssellöcher dringen kann. Deshalb ist es sehr ratsam, alles was einstauben kann, aber nicht darf, mit entsprechenden Folien abzudecken und alle Ritzen zu verkleben. Der geldliche Aufwand dafür ist gering und die Ersparnis an späterer Arbeitszeit groß. Die Reinigung der verstaubten Räume ist nämlich sehr langwierig und macht überhaupt keinen Spaß.

 

Siegellack und Pinsel:

Zum Ende der Arbeiten wird der Fußboden versiegelt oder mit Öl behandelt. Durch die Versiegelung wird er widerstandfähig und an der Oberfläche Wasser abweisend. Der Pflegeaufwand wird über Jahre hinweg minimiert.  Allerdings kann der Fußboden an diesen Stellen auch nicht mehr atmen. Wer es besonders ökologisch möchte, kann eine Hartwachsversiegelung vornehmen bzw. nur die Dielen ölen. Dies muss aber regelmäßig erneuert werden.
Parkettlack gibt es in hochglänzend oder in seidenmatt.

 

 

Arbeitsschutz mit Staubmaske, Sicherheitsbrille und Gehörschutz:

Die Arbeit mit den Geräten kann Gesundheit gefährdend sein. Daher ist es zweckmäßig die Gesundheit durch entsprechende Ausrüstung zu schützen. Auf jeden Fall Pflicht ist die Atemschutzmaske. Der Schleifstaub ist sehr fein und dringt tief in die  Nase und Mund ein. Daher auf jeden Fall einen Staubschutz tragen. Maschinen erzeugen viel Lärm. Schützen Sie Ihr Gehör durch einen Lärmschutz. Beim Arbeiten kann es passieren, dass Teilchen in Richtung Augen geschleudert werden. Daher auf jeden Fall eine Schutzbrille aufsetzen. Das ist auch vorteilhaft gegen den Staub, der die Augen reizt.

 

Sonstige Werkzeuge und Materialien je nach Bedarf:

Jeder Fußboden und die jeweiligen Arbeitsbedingungen vor Ort sind unterschiedlich. Daher kann es erforderlich sein, noch eine Reihe anderer Werkzeuge bereit zu halten. Eventuell müssen Teile abgeschraubt oder Nägel eingeschlagen werden. Auch für ausreichend Beleuchtung ist zu sorgen. Ein Kniekissen schützt Ihre Knie und mit einer Kabelbox für Innen haben Sie genügend Anschlüsse für Ihre Geräte.

Denken Sie auch an geeignete Pinsel für das spätere Auftragen des Parkettlacks. Dafür gibt es spezielle Flachpinsel, welche keine Haare verlieren.

 

Reihefolge der Arbeiten, um die Dielen abzuschleifen und zu versiegeln:

Nach Möglichkeit räumen Sie den Raum vorher völlig aus, er sollte also leergeräumt sein. Es ist zwar prinzipiell möglich auch halbseitig zu arbeiten, bringt aber erheblich mehr Arbeitsaufwand mit sich. Leer bedeutet auch alle Gardinen, Vorhänge, Bilder usw. zu entfernen. Lässt man sie hängen, muss man später viel Zeit und Geduld in die Reinigung dieser Gegenstände investieren.

Was nicht ausgeräumt werden kann, sollte mit Folie gut abgedeckt und mit Malerband staubdicht verklebt werden. Am besten doppelt, damit beim Abnehmen des Folie der Schmutz nicht doch noch auf das zu schützende Teil fällt. Das gilt auch für benachbarte Räume durch die man durchgehen muss. Ansonsten die Türen verkleben, da der Staub auch durch die Türritzen und Schlüssellöcher in die Nachbarräume gelangt. Die Hausfrau oder der Hausmann wird es Ihnen danken.

Nach dem Leerräumen kann der Fußboden inspiziert werden. Insbesondere Fehlstellen sind zu identifizieren. Fehlstellen können zum Beispiel Astlöcher oder heraus gebrochene Teile der Dielen sein. Eventuell müssen Dielen vorher ersetzt werden. Kontrollieren Sie auch die Dielen auf Holzwurmbefall und Fäulnis. Sind die Holzwurmlöcher schon alt, dann können Sie diese so lassen. Was früher als unschön galt, gibt heute den Häusern bzw. Räumen einen individuellen Charakter. Auf neuartigen Laminatfußböden gibt es Bilder mit Dielen, welche gerade solche Holzwurmlöcher aufweisen. Aber das sind nur Fotos und Ihre sind ganz echt. Sind die Holzwürmer noch aktiv müssen sie vorher beseitigt werden. Es wäre ja nicht schön, wenn auch der neue Fußboden durchlöchert wird. Zudem wandern Holzwürmer auch weiter in Stühle, Tische und Schränke. Aktive Holzwürmer erkennen Sie an frischen kleinen Staubhäufchen an den Holzwurmlöchern. Manche Menschen hören die Holzschädlinge auch im Holz "arbeiten" es tickt der Holzwurm.

 

Eventuell müssen Sie einen Kammerjäger zu Rate ziehen. Bei Fäulnis müssen die betreffenden Dielen vorher ausgetauscht werden und unbedingt die Ursachen für die Fäulnis beseitigt werden.

Suchen Sie die Dielen ab nach hervorstehenden Nägeln. Diese sind sehr gefährlich, weil sie die Schleifbänder beschädigen können. Zudem können Sie beim Schleifen zur Funkenbildung führen. Diese werden dann in den Staubfangsack geblasen und könnten dort den Holzstaub entzünden. Das könnte dann zu einem Brand führen. Nach der Arbeit habe ich immer den Arbeitsraum mehrmals kontrolliert und auch auf atypische Gerüche geachtet. Den Staub am besten am Ende des Arbeitstages gleich in der Mülltonne entsorgen. Theoretisch könnten die Funken auch in die Ritzen der Dielen bzw. unter die Dielen gelangen. Dort befindet sich besonders in alten Häusern Lehm/Stroh Gemische. Sie können sich vorstellen was passiert, wenn das Feuer fängt. Also hier ist höchste Wachsamkeit geboten! Nehmen Sie also einen Hammer und ein geeignetes Werkzeug (Senkstift) und versenken Sie vor dem Schleifen alle hervorstehenden Nägel.

Wenn Sie können, dann bauen Sie die Fußleisten an den Rändern ab. Eventuell können oder wollen Sie diese ja auch durch neue ersetzen. Das hat auch den Vorteil, dass Sie mit den Schleifgeräten besser bis an den Rand kommen.

 

Nun kann die Arbeit beginnen. Beurteilen Sie zuerst den Fußboden. Bei älteren Holzfußböden sind die Dielen meist mit einer Wachsschicht aus Bohnerwachs überzogen. Möglich auch, dass sie mit Farbe überstrichen wurden. Die Farbe sollte eigentlich kein Problem darstellen. Beim Bohnerwachs hat man das Problem, dass der Wachs sich in den Schleifbändern festsetzt und diese schnell unbrauchbar macht. Ein weiteres Problem ist die Wölbung der Dielen. Obwohl diese mal ganz gerade waren, verziehen sie sich mit der Zeit und bekommen in der Mitte einen Buckel und fallen zu den Seiten ab. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, hat aber zur Folge, dass die Schleifmaschine nicht plangenau auf den Dielen aufliegt. Ist die Wölbung recht groß bzw. viel Farbe oder Bohnerwachs auf den Dielen, dann beginnen Sie am besten mit der Körnung 60 zu schleifen (Vorschliff). Das ist recht grob und trägt dementsprechend viel Material ab und die Schleifbänder setzen sich nicht so schnell zu. Achten Sie bitte beim Bandschleifer auf das richtige Einlegen des Schleifbandes. Das Schleifband muss sich in Pfeilrichtung (auf dem Band gekennzeichnet) bewegen. Ansonsten löst sich die Verklebung und das Band fällt auseinander. Bewegen Sie den Bandschleifer parallel zur Diele hin und her. Bleiben Sie nicht auf einer Stelle für längere Zeit stehen. Das Gerät muss immer in Bewegung sein. Je höher die Leistung des Gerätes, je höher ist die Gefahr, dass sie Dellen in den Fußboden hineinschleifen. Achten Sie darauf, dass der Staub kontinuierlich abgeführt wird und leeren Sie den Staubsack wenn er zu 1/3 gefüllt ist. Damit vermeiden Sie Brände durch Funkenflug. Halten Sie den Bandschleifer etwa10° schräg, also nur einen Hauch. Führen Sie diese Prozedur für den gesamten Raum durch und prüfen Sie immer das Ergebnis. Wenn es Ihnen nicht so darauf ankommt, dass die Dielen 100%-tig plan geschliffen sind, dann benötigen Sie weniger Zeit. Für große Räume ist es sinnvoll sich eine leistungsstarke Walzenschleifmaschinen aus dem Baumarkt zu mieten. Das erspart Ihnen eine Menge Zeit, es erhöht aber auch das Risiko für Fehler. Durch die hohe Leistung der Geräte haben Sie auch schnell Dellen im Fußboden. Bei diesen Geräten machen Sie den ersten Schliff diagonal zu den Dielen und ab dem zweiten Schliff dann auch immer nur noch in Verlegerichtung arbeiten.

Für die Ränder nehmen Sie den Deltaschleifer. Damit kommen Sie gut in die Ecken.

Ist der Fußboden nach Ihrem Wunsch plan geschliffen, können Sie die Körnung auf 80 ändern und den Raum abermals durchschleifen (Zwischenschliff, Hauptschliff). Nun müsste der Fußboden schon eine schöne helle Farbe besitzen und die Holzstruktur gut sichtbar sein. Wenn Sie Fehler wie Löcher entdecken verschmieren Sie diese mit Holzkitt und lassen Sie diesen gut Durchtrocknen. Bei großen Löchern in Schichten arbeiten und diese jeweils durchtrocknen lassen. Danach können Sie diese Stellen genau wie den Rest des Fußbodens beschleifen.

 

Nach der Körnung 80 nehmen Sie nun die Körnung 120 und schleifen den Fußboden noch einmal bis zweimal gründlich durch (Feinschliff). Sollten sich Stellen in den Dielen durch die leichte Rundung der Dielen mit den Bandschleifer nicht abschleifen lassen, dann nehmen Sie den Deltaschleifer dazu.

Haben Sie alles wunschgemäß abgeschliffen, dann kommt nun das große Putzen. Beseitigen Sie jeglichen Staub im Raum. Vergessen Sie nicht auch die Wände, Decken, Fenster und Türen zu säubern und zwar gründlichst! Schauen Sie sich die Ritzen in dem Fußboden an und kratzen Sie vorsichtig dort jeglichen Schmutz heraus. Dies gilt vor allem für Dielen mit Nut und Feder. Saugen Sie mit dem Staubsauger die Ritzen und den gesamten Fußboden gründlichst ab. Es darf beim Versiegeln sich kein Staub mehr in der Luft befinden bzw. hochgewirbelt werden.

Haben Sie das erledigt, dann können Sie den Fußboden jetzt mit Siegellack streichen. Siegellack gibt es in verschiedenen Ausführungen. Achten Sie auf die gewünschte Härte (je nach geplanter Beanspruchung des Fußbodens) und auf Schadstoffarmut (Blauer Engel). Die meisten Versiegelungen sind wasserverdünnbar. Nehmen Sie einen nicht haarenden Spezialpinsel und streichen Sie den Dielenfußboden einmal gründlich durch. Achten Sie dabei darauf, dass Sie mit dem Pinsel keinen Schmutz aus den Ritzen der Dielen auf die Oberfläche befördern. Hier rächt es sich, wenn Sie vorher beim Absaugen der Ritzen nicht gründlich waren.

Nach dem ersten Anstrich warten Sie nun entsprechend den Herstellervorgaben ab. Staubtrocken ist der Lack meist schon nach recht kurzer Zeit, was aber auch von der Umgebungstemperatur abhängt. Bereiten Sie sich nun auf den zweiten Anstrich vor. Vorher werden Sie aber, wenn unvorbereitet, einen Schreck bekommen. Ihr Fußboden, der vorher so glatt wie ein Kinderpopo war, ist nun stachelig wie ein Igel. Aber Sie haben nichts falsch gemacht. Das liegt in der Natur des Holzes. Durch die Flüssigkeit quillt das Holz und die Holzfasern richten sich auf. Deshalb muss es nun wieder glatt geschliffen werden. Diese Arbeit habe ich mit 120 Körnung und mit der Hand verrichtet. Sicherlich kann man dafür auch die Maschine nehmen, aber mit der Hand hat man viel Gefühl, kann raue Stellen ertasten und schleift nicht zuviel ab. Nach dem Anschleifen wird der Fußboden wieder gründlichst gesäubert. Absaugen und mit einem nicht fusselnden Tuch gut abwischen. Dann kann die 2. Versiegelung aufgetragen werden. Nun heißt es wieder nach den Herstellervorgaben warten. Danach kontrollieren Sie den Fußboden. Er wird immer noch ein wenig rau sein. Also wieder alles mit 120er Schleifpapier vorsichtig per Hand glatt schleifen. Danach das 3. Mal mit Siegellack streichen und entsprechend den Herstellerangaben trocknen lasse. Prüfen Sie jetzt erneut den Fußboden. Ist er immer noch ein wenig rau, dann nehmen Sie jetzt Stahlwolle der Klasse 0000 oder 000 und polieren den Fußboden schön blank.

Nun ist der neue Dielenfußboden fertig. Warten Sie aber noch mit der Belastung. Die Wartezeiten stehen in der Regel auf der Farbbüchse drauf. Oft sind es 14 Tage Wartezeit, bis ein Teppich usw. aufgelegt werden kann.

Fotos von der Renovierung des alten Dielenfußbodens:

Dielenfußboden vor der Renovierung Dielenfußboden mit Fußleiste Bandschleifer Deltaschleifgerät Möbel mit Abdeckfolie Staub auf der Abdeckfolie Holzstaub auf Abdeckplane Angeschliffene Holzdielen Nach dem ersten Abschleifen Teilabgeschliffene Diele Nach dem Feinschliff Dielen mit FugenParkettlack versiegelte Dielen Fertig versiegelte Dielen renovierter Fußboden

  

 © Gero Kurtz